Hausarbeit: Open Access – Ein Weg zu einer freien Wissenschaft für alle?

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1. Einleitung

„Seit jeher bemühen sich Wissenschaftler, die Ergebnisse ihrer Forschung dauerhaft zu dokumentieren und zu veröffentlichen (Andermann 2006, S.221).“ Die Veröffentlichung der Forschung sollte also möglichst breit sein, um dauerhaft zu bleiben. Dies steht dem Urheberrecht, das in Deutschland gilt, diametral entgegen. Dieses soll die Urheber_in von geistigem Schaffen schützen und somit eine unkontrollierte Verbreitung dieses Schaffens verhindern. Bei wissenschaftlichen Publikationen werden die Erkenntnisse in neue Forschungen aufgenommen. Die Forschungsergebnisse sollen sich gegenseitig inspirieren. Es stellt sich also die Frage, wie der Umgang von wissenschaftlicher Literatur mit dem Urheberrecht aussehen könnte.
Wissenschaftliche Publikationen sollen zur Mehrung gesellschaftlichen Wissens beitragen und werden zudem zumeist staatlich finanziert. Ist in anderen Bereichen staatlicher Finanzierung die Verfügbarkeit der Erzeugnisse selbstverständlich (z.B. Bundeszentrale für politische Bildung), so wird dieses durch das Verlagswesen in der Forschung im großen Umfang eingeschränkt. Wissenschaftsinstitute, Bibliotheksverbände und die Hochschulrektorenkonferenz setzten sich in der Berliner Erklärung von 2003 das Ziel, einen weltweiten kostenfreien Zugang zu Wissen zu erreichen, also Open Access umzusetzen.
In der vorliegenden Arbeit werde ich zuerst die momentanen Publikationsmöglichkeiten beziehungsweise -verfahren universitärer Forschung beleuchten. Hierbei werde ich speziell auf die Bibliotheken und den Publikationsdruck, der auf Wissenschaftler_innen liegt, eingehen. Danach werde ich Wissenschaft und Urheberrecht in Beziehung setzen. Anschließend soll mit Open Access eine Lösung innerhalb des geltenden Urheberrechts aufgezeigt werden, um die freie Veröffentlichung universitärer Forschung zu gewährleisten.
Im weiteren Verlauf werde ich diskutieren, ob die Open Access-Bewegung ausreicht, um eine freie Wissenschaft zu garantieren, oder ob das Urheberrecht in seiner aktuellen Form nicht ein zu großes Hindernis darstellt. Hier soll es vor allem um die Frage gehen, welche Veränderungen am Urheberrecht angewandt werden müssten, um eine freie Wissenschaft zu schaffen. Die Arbeit schließt mit einem kritischen Fazit.

2. Publikation universitärer Forschung

In diesem Abschnitt werde ich die universitäre Forschung aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Zuerst werde ich auf die Situation von Bibliotheken, besonders im Hinblick auf die sogenannte Zeitschriftenkrise, eingehen. Danach werde ich den Publikationsdruck für Forscher_innen beschreiben und die Auswirkungen skizzieren. Eine weitere Problematik für die Gesellschaft ist die staatliche Mehrfachfinanzierung von wissenschaftlichen Publikationen.
Zuletzt werde ich die Problematik des globalen Zugangs zu Wissen ansprechen, der immer noch sehr ungleich verteilt ist, und eine der Argumentationsstränge für Open Access darstellt.

2.1. Bibliotheken

Hauptbezugsquelle für wissenschaftliche Literatur in Studium und Forschung ist die Bibliothek. Diese bietet für Forscher_innen und Student_innen zumeist die Grundlage für ihre Recherchen. Hauptbestandteil von Bibliotheken sind einerseits Fachbücher, auch Monographien genannt, und andererseits wissenschaftliche Fachzeitschriften, auch Journals. Fachbücher werden über die Verlage bestellt und sind dann Teil des Bestands der Bibliothek.
Zeitschriften hingegen werden von Bibliotheken in Abonnements von Verlagen bestellt und dann den Wissenschaftler_innen zur Verfügung gestellt. Der Preis für die Bibliothek richtet sich hierbei nach der Anzahl der Nutzer_innen und dem Renommee der Zeitschrift.
Zusätzlich zu den Büchern und Zeitschriften haben sich E-Books und E-Journals etabliert und bieten oftmals unkomplizierten Zugang zu Literatur von Zuhause (über SSH-authentifizierte Verbindungen) oder aus dem Universitätsnetz. Was für viele EDV-versierte Forscher_innen eine starke Vereinfachung des Zugangs zu Wissen darstellt, hat sich für die Bibliotheken zu einem großen Problem entwickelt.
Die Verlage befürchteten durch die Digitalisierung und damit größere Verbreitungsmöglichkeiten einen Wegfall ihrer Finanzierung. Der Nationale Forschungsrat in den USA (National Research Council – NRC) nannte die daraus resultierenden Probleme das digitale Dilemma. „Gemeint ist der Konflikt zwischen den möglichen Potenzialen, die sich durch den Einsatz neuer Technologien für das wissenschaftliche Publizieren eröffnen und den gleichzeitigen Einschränkungen, die in den privaten Verwertungsinteressen der Rechteinhaber (Verlage) begründet liegen.“ (Andermann 2006, S. 227)
In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich zudem auf dem Publikationsmarkt für universitäre Forschung eine immer höhere Konzentration von Anbietern herausgebildet. Einerseits zeigt sich eine Dominanz einiger weniger Verlage. Andererseits hat sich in vielen Forschungsdisziplinen eine einzige Zeitschrift als marktdominant erwiesen und hat somit eine bessere Verhandlungsbasis gegenüber den Bibliotheken (Kuhlen 2008 S. 187).
Die Digitalisierung und die Konzentration von Zeitschriften und Verlagen führte zur sogenannten Zeitschriftenkrise. Entstanden in den 90er Jahren, besonders im naturwissenschaftlichen Bereich, nutzten die Verlage ihre guten Verhandlungsbedingungen aus, um einen starken Anstieg in den Abonnementpreisen für Zeitschriften durchzusetzen. Sie argumentierten hierbei auch mit Umsatzeinbußen im Privatkundengeschäft. Infolge dessen konnten sich einige Hochschulbibliotheken die Versorgung mit aktueller Literatur nicht mehr leisten. Für Forscher_innen bedeutete das natürlich eine starke Einschränkung ihrer Forschungsmöglichkeit. (Andermann 2006, S. 226)
Natürlich ließe sich an dieser Stelle auch diskutieren, inwieweit die westlich geprägte „Wissensgesellschaft“ überhaupt globalen Anspruch erheben sollte und ob Entwicklungsländer überhaupt gut daran tun, in diesem globalen Wettbewerb des Wissens mit zu mischen.Andererseits bieten sich für sogenannte Entwicklungsländer auch Chancen, gerade in den Geisteswissenschaften, ihre Sicht und Denktraditionen sichtbar zu machen und zum Beispiel in die Diskurse um critical whiteness und neokolonialistische Studien einzusteigen.

2.2. Veröffentlichungsdruck

publish or perish

(„Veröffentliche oder gehe unter“ – gängige Redewendung an Universitäten)

Durch die permanente Unterfinanzierung der Hochschulen ist in den letzten Jahrzehnten eine sich immer weiter verstärkende Drittmittelabhängigkeit aufgetreten (destatis 2007, S.64). Für Hochschulen sind forschungsstarke Dozent_innen von Vorteil, um die Unterfinanzierung durch Drittmittel auszugleichen.
In Berufungsverfahren ist somit die Bedeutung von Forschung stark gestiegen. Beurteilt wird die Forschungsstärke von Dozent_innen an ihren Veröffentlichungen. Wichtig ist dann vor allem die quantitative Masse der Publikationen und das Renommee der Zeitschriften, in denen veröffentlicht wurde. Gemessen wird dieses Renommee vor allem durch den sogenannten Journal Impact Factor. Dieser drückt aus wie die durchschnittliche Zitierhäufigkeit von Artikeln in einer Zeitschrift während der letzten Jahre in bestimmten anderen Zeitschriften war und ermittelt daraus einen Faktor, der eine Vergleichbarkeit suggeriert. Die Bewertung von wissenschaftlicher Arbeit wird somit zu simpler Mathematik, die von einem Unternehmen (Thomson Scientific Research Services Group) bereitgestellt und entwickelt wird, das selbst an Verlagen beteiligt ist (Kuhlen 2008, S. 460).
Für Forscher_innen bedeutet meiner Meinung nach das Publizieren in bestimmten Zeitschriften natürlich auch eine Einschränkung in Themenwahl und der Artikulation von abweichenden Meinungen. Eine monopolistische Zeitschrift wird vor allem den Mainstream abdecken. Das bedeutet natürlich auch eine starke Fixierung auf diesen durch gerade junge Wissenschaftler_innen, die auf Reputation angewiesen sind. Dieser wird also auch schon bei Nachwuchswissenschaftler_innen festgelegt und manifestiert. Insgesamt werden tief greifende Veränderungen, sogenannte Dogmenwechsel, deutlich langsamer durchgeführt, weil durch das Monopol eine gewissen Trägheit gegeben ist.

2.3. Staatliche Mehrfachfinanzierung

Die Abhängigkeit von der Veröffentlichung in renommierten Zeitschriften führt dazu, dass viele Wissenschaftler_innen die Nutzungsrechte für ihre Publikationen entgeltfrei und exklusiv an die Verlage abgeben. Die Wissenschaftler_innen haben also kein Recht mehr auf Zweitpublikation in hochschuleigenen oder privaten Medien (Webseite etc.). Um die Ergebnisse der Forschung also innerhalb der eigenen Hochschule nutzbar zu machen, muss die Hochschulbibliothek die Zeitschrift, in der die Artikel einer_s Wissenschaftler_in erscheint, abonnieren. (Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen 2011, S. 11)
Der Staat beziehungsweise die Hochschule bezahlt also mehrfach für die Forschung. Einmal indem das Gehalt und die Ausstattung der Wissenschaftler_innen finanziert wird und dann noch einmal um die Ergebnisse der Forschung auch lesen zu können (Andermann 2006, S. 224). Zudem wird das Qualitätsmerkmal Peer-Review auch zumeist durch Wissenschaftler_innen an Hochschulen durchgeführt und somit indirekt auch durch den Staat finanziert. Peer-Review bezeichnet die Begutachtung von wissenschaftlichen Arbeiten durch Kolleg_innen in der Wissenschaft, um die wissenschaftliche Qualität zu gewährleisten.

2.4. Globaler Zugang zu Wissen

Sind die Bibliotheken in Industriestaaten schon starken Problemen durch Unterfinanzierung ausgesetzt, so tritt dieses Phänomen für sogenannte Entwicklungsländer nochmal verstärkt auf. Hier ist der Bestand an Büchern und Zeitschriften deutlich geringer (Neumann 2006, S. 307). Dies legen auch Untersuchungen von Bülent Yilmaz nah, der am Beispiel Uganda und einzelner Industriestaaten (Finnland, Großbritannien) die unterschiedliche Ausstattung durch Bibliotheken und die Anzahl der Bücher untersucht hat. Hier ist eine starke Benachteiligung von Ugangda festzustellen, die sich mit Sicherheit auf andere Entwicklungsländer übertragen lässt (Yilmaz 1998).

3. Urheberrecht und Wissenschaft

Das Urheberrecht schützt das Recht von Urheber_innen an ihren geistigen Werken. Um die Bedeutung des Urheberrechts für die Wissenschaft zu verdeutlichen, werde ich zunächst auf die Geschichte des Urheberrechts eingehen. Danach werde ich die internationale Verbreitung des Urheberrechts über internationale Verträge thematisieren und am Ende speziell auf die Bedeutung des Urheberrechts für die Wissenschaft eingehen.

3.1. Exkurs: Geschichte des Urheberrechts

Geistiges Eigentum war innerhalb der Menschheitsgeschichte lange Zeit unbekannt. Es wurde eher von einer natürlichen bzw. göttlichen Verbindung zwischen Werk und Autor_in ausgegangen, die aber bei Verletzung nicht ein klagbar war. Zudem lag das Vervielfältigungsrecht nicht bei den Autor_innen, sondern bei den Mäz_innen. (Dillenz 2004, S. 5)
Das Anfertigen von Kopien von Schriften war sehr zeitaufwendig. Zugleich war der Markt für Schriften sehr begrenzt, da nicht viele Menschen lesen konnte. Zudem war die Literatur im Mittelalter größtenteils religiöser Art. (Dillenz 2004, S. 6)
Die Erfindung der Druckerpresse mit beweglichen Lettern um das Jahr 1440 bewirkte eine starke Veränderung innerhalb des Schriftensystems. Nun war es sehr kostengünstig und schnell möglich Kopien anzufertigen. Das erste Druckprivileg wurde 1469 durch den Kaiser noch örtlich und zeitlich begrenzt vergeben und war damit ein Meilenstein auf dem Weg zum aktuellen Urheberrecht. Die besagten Produkte des_r Drucker_in durften von niemand anderem hergestellt werden. Eine Weiterentwicklung stellten die Bücherprivilege des 16. Jahrhunderts dar. Rechtlich wurde es aus dem Monopolrecht zu einem Produktschutzrecht umgewandelt. (Brelle 2011, S. 4)
In der Folgezeit ist eine Verschiebung des Rechts vom Drucker zum Autor zu beobachten. Im Jahr 1710 wurde in Großbritannien durch das sogenannte „Statute of Anne“ die ausschließliche Druckbefugnis für 14 Jahre auf die Autor_innen des Werkes übertragen. (Dillenz 2004, S. 9)
Innerhalb der französischen Revolution kam es dann zu einer weiteren Manifestation des Urheberrechts. Ein Beobachter nannte es sogar „das heiligste, das legitimste, das unangreifbarste und persönlichste Eigentum, die Frucht der Gedanken eines Schriftstellers; es ist deshalb ein Eigentum ganz besonderer Art“ (nach Dillenz 2004, S.10).
Insgesamt ist das Urheberrecht wohl als Entwicklung innerhalb der Aufklärung zu sehen. Die Betonung des Individuums hatte starke Auswirkungen auf die Sicht auf dessen geistiges Schaffen (Dillenz 2004, S. 10).
Heute ist das Urheberrecht eine sehr wichtige Gesetzgebung geworden. 70 Jahre nach dem Tod der Autor_innen wird ein Werk gemeinfrei, das heißt es kann frei verwendet werden (§64 UrhG).
Der Schutz des Eigentums an geistigen Werken hat, nicht zuletzt durch Anti-Raubkopierkampagnen, eine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit erhalten. Die Digitalisierung ermöglicht verlustfreie Kopien vieler Medien und rückt das Urheberrecht somit sowohl für Wissenschaftler_innen als auch für private Nutzer_innen zunehmend in das Blickfeld. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Urheberrecht findet aber weiterhin nur in speziellen Kreisen statt.

3.2. Urheberrecht international

Auch international hat sich das Urheberrecht durchgesetzt. Die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) gibt es schon seit 1967 und ist Teilorganisation der Vereinten Nationen. Sie verwaltet internationale Abkommen zu geistigem Eigentum.
Das TRIPS-Abkommen (Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentum) wurde 1993 im Rahmen der Gründung der Welthandelsorganisation (WTO) verabschiedet. Es ist bindend als Minimalanforderung an nationale Rechtssysteme. Durch die Anbindung an die WTO wurde das Feld des geistigen Eigentums noch stärker in den Kontext von ökonomischer Verwertungslogik gesetzt. Die Vereinten Nationen, vorher durch das WIPO allein zuständig für das Urheberrecht, wurden entmachtet. Durch das Patentrecht wurde die Logik des Urheberrechts auch auf materielle Güter ausgeweitet und im selben Vertrag manifestiert. (Kuhlen 2008, S. 97ff)

3.3. Urheberrecht in der Wissenschaft

Innerhalb der Gesetzgebungen in den unterschiedlichen Ländern haben sich im Bereich des Urheberrechts im Grunde zwei Rechtstraditionen durchgesetzt, nämlich das Civil Law (kontinentaleuropäischer Rechtskreis) und das angelsächsische Copyright. Geht das Copyright davon aus, dass bei Nichtvereinbarung den Auftraggeber_innen das Copyright gehört, so sind im Urheberrecht die Autor_innen automatisch Rechteinhaber (Brelle 2011, S. 9).
In der Privatwirtschaft wird durch Arbeitsverträge das geistige Eigentum direkt an die Firma übertragen. Für die Wissenschaft gilt das in der Regel nicht. Dies bedeutet, dass Wissenschaftler_innen auch einzeln über das Urheberrecht verfügen können und müssen. Für Verhandlungen, beispielsweise mit Verlagen, haben sie also auch einen deutlich schwächeren Standpunkt.
Zentral für die Wissenschaft ist die sogenannte Schrankenregelung im Urheberrecht. In dieser wird festgelegt, was ohne die Erlaubnis von Rechteinhaber_innen mit den Werken gemacht werden darf. Bisher fielen für die Wissenschaft darunter vor allem das Recht auf Privatkopie (§53 Abs. 1 UrhG), Vervielfältigung für den eigenen Gebrauch (§53 Abs. 2 UrhG), die unentgeltliche öffentliche Wiedergabe (§52 UrhG), sowie der Pressespiegel (§49 UrhG).
Mit der Urheberrechtsnovelle im Jahr 2003, die durch den digitalen Wandel ausgelöst wurde, wurde temporär bis Ende 2012 der Paragraph 52a in das Urheberrecht aufgenommen. Eine Verlängerung des Paragraphen ist möglich, wurde auch schon zwei Mal durch den Bundestag beschlossen. Dieser heißt „Öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung“ und erlaubt es, Teile eines Werkes einem bestimmten Personenkreis zugänglich zu machen, ohne die explizite Erlaubnis der Rechteinhaber_innen zu haben.Sollte dieser Paragraph wieder entfallen, werden beispielsweise alle E-Learning-Plattformen ein großes Problem haben, da sie dann illegal Auszüge aus Büchern verwenden.
Im Gegensatz zu den Schrankenregelungen sieht das US-amerikanische Copyright die sogenannte Fair-Use-Doktrin vor. Dies bedeutet, dass Werke in angemessenerer Weise auch nicht autorisiert genutzt werden dürfen, sofern es der öffentlichen Bildung oder Kultur dient.

4. Open Access

Open Access wird der freie (d.h. kosten- und barrierefreie) Zugang zu wissenschaftlicher Literatur genannt. Es beschreibt somit einen Weg aus der im Kapitel 2 beschriebenen problematischen Lage. (Brelle 2011, S. 10)

4.1. Geschichte und Prinzipien

Ihre Vorläufer hat Open Access in den Dissertations- und Preprintservices der 90er Jahre. Schon ab 2000 fingen viele Wissenschaftler_innen an das Publikationssystem zu hinterfragen. Im Februar 2002 wurde die Budapest Open Access Initiative gegründet. Diese gilt als die Geburtsstunde der Open Access-Bewegung. Im Anschluss daran haben sich die führenden deutschen Wissenschaftsorganisationen und Forschungsinstitute zusammengefunden, um in der Berliner Erklärung eine Bekräftigung des Open Access-Gedankens zu geben (Bargheer 2006, S. 4). Ziel ist „das Internet als Instrument für eine weltweite Basis wissenschaftlicher Kenntnisse und menschlicher Reflexion zu fördern und die erforderlichen Maßnahmen zu formulieren, die von Entscheidungsträgern, Forschungsorganisationen, Förderinstitutionen, Bibliotheken, Archiven und Museen zu bedenken sind. “ (Berliner Erklärung 2003, S. 1)
Hiermit wurde der Grundstein zur Verbreitung von Open Access in der deutschen Forschungslandschaft gelegt. Laut Berliner Erklärung müssen Open Access Veröffentlichungen zwei Voraussetzungen erfüllen:
„1. Die Urheber und die Rechteinhaber solcher Veröffentlichungen gewähren allen Nutzern unwiderruflich das freie, weltweite Zugangsrecht zu diesen Veröffentlichungen und erlauben ihnen, diese Veröffentlichungen – in jedem beliebigen digitalen Medium und für jeden verantwortbaren Zweck – zu kopieren, zu nutzen, zu verbreiten, zu übertragen und öffentlich wiederzugeben sowie Bearbeitungen davon zu erstellen und zu verbreiten, sofern die Urheberschaft korrekt angegeben wird. (Die Wissenschaftsgemeinschaft wird, wie schon bisher, auch in Zukunft Regeln hinsichtlich korrekter Urheberangaben und einer verantwortbaren Nutzung von Veröffentlichungen definieren) Weiterhin kann von diesen Beiträgen eine geringe Anzahl von Ausdrucken zum privaten Gebrauch angefertigt werden.
2. Eine vollständige Fassung der Veröffentlichung sowie aller ergänzenden Materialien, einschließlich einer Kopie der oben erläuterten Rechte wird in einem geeigneten elektronischen Standardformat in mindestens einem Online-Archiv hinterlegt (und damit veröffentlicht), das geeignete technische Standards (wie die Open Archive-Regeln) verwendet und das von einer wissenschaftlichen Einrichtung, einer wissenschaftlichen Gesellschaft, einer öffentlichen Institution oder einer anderen etablierten Organisation in dem Bestreben betrieben und gepflegt wird, den offenen Zugang, die uneingeschränkte Verbreitung, die Interoperabilität und die langfristige Archivierung zu ermöglichen.“ (Berliner Erklärung 2003)
Im Anschluss an die Berliner Erklärung haben sich einige Hochschulen und Forschungsinstitute zusammengeschlossen, um Open Access in der BRD weiter zu fördern. So haben etwa die FU Berlin, die Universität Bielefeld, die Georg August Universität Göttingen und die Universität Konstanz gemeinsam ein Informationsportal zu Open Access entworfen (http://open-access.net). Dieses richtet sich an alle an Open Access interessierten Menschen und Organisationen, seien es Autor_innen, Verlage, Hochschulleitungen oder Bibliotheken.

4.2. Wege der Publikation

Schon auf der Budapester Konferenz wurden zwei Wege skizziert, auf denen Open Access für wissenschaftliche Literatur nützlich sein kann. Der grüne Weg (green road) beinhaltet die Speicherung bereits publizierter und begutachteter Forschungsartikel als Kopie auf Publikationsservern von Hochschulen und Forschungsorganisationen.
Der goldene Weg ist die Veröffentlichung in Open Access-Verlagen und -Zeitschriften. Diese sind entweder staatlich finanziert oder aber durch eine Artikelgebühr für die Wissenschaftler_innen (Budapest Open Access Initiative, 2001).
Der Schritt zur Veröffentlichung im grünen Weg ist für Wissenschaftler_innen nicht besonders groß. Allerdings bricht er auch nicht mit der Unterstützung monopolistischer Strukturen und löst somit die finanziellen Probleme der Bibliotheken nicht.

4.3. Technik

Mit der Verbreitung von Publikationsservern an den Wissenschaftsinstituten und Hochschulen stellte sich natürlich die Frage der Auffindbarkeit von Dokumenten. Der Gedanke der Offenheit kann natürlich nur durch eine offenen Infrastruktur umgesetzt werden.
Um die Zugänglichkeit zu ermöglichen und wirklich bessere Verfügbarkeit zu schaffen, bedarf es einer guten transparenten Struktur. Die vernetzte Server-Struktur wird durch das eigenes Protokoll „Open Archives Initiative – Protocol for Metadata Harvesting“ (OAI-PMH) garantiert. Das Protokoll wurde 2001 vorgestellt und seitdem ständig weiterentwickelt. Es übernimmt die Sammlung der wichtigsten Merkmale eines Textes, wie etwas Autor_in, Titel, Erscheinungsdatum und Lizenz, und sorgt sorgt dafür, dass diese über zentrale Suchmaschinen auffindbar sind (Openarchives.org).

4.4. Finanzierung

Wie im Kapitel 4.1 schon kurz skizziert, gibt es verschiedene Modelle, um Open Access zu finanzieren. Wichtigste Voraussetzung von Open Access ist, dass nicht (mehr) die Nutzer_innen bezahlen müssen.
Bedeutende Kostenfaktoren, die bei Open Access wegfallen, sind die Druck- und Vertriebskosten. Insgesamt ist laut open-access.net davon auszugehen, dass die Publikation mit Open Access mit den stärksten ökonomischen Vorteilen verbunden ist (open-access.net, Vorbehalte gegen OA). Trotzdem müssen zumindest die Kosten zur Durchführung eines Peer-Review-Verfahrens und zur Bereitstellung und Pflege der Server-Infrastruktur aufgebracht werden.
Auf dem gemeinsamen Informationsportal verschiedener Universitäten (siehe 4.1) werden vier verschiedene Modelle vorgestellt.
Im autor_innenfinanzierten Modell zahlen die Wissenschaftler_innen eine Publikationsgebühr. Je nach Forschungsgebiet ist dies auch in konventionellen Zeitschriften üblich. Oftmals zahlen die forschenden Institutionen diese Gebühr und so muss diese nicht von den Wissenschaftler_innen selbst aufgebracht werden (Lengenfelder 2011). Eine zweite Variante ist die Finanzierung durch Förderorganisationen. So kann etwa bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die einen Großteil der Drittmittelprojekte in der BRD finanziert, eine Veröffentlichungspauschale von jährlich 750€ beantragt werden. Auch Universitäten können direkt bei der DFG Förderung für die Open Access Publikation ihrer Wissenschaftler_innen beantragen. Eine dritte Variante stellt die Institutionelle Mitgliedschaft dar. Gegen eine Mitgliedschaftsgebühr können die Wissenschaftler_innen einer Institution dann günstiger oder sogar umsonst in einer Open Access-Zeitschrift veröffentlichen. Dies entlastet die Wissenschaftler_innen und Institutionen, die sich bewusst für Open Access entscheiden, können dies auch öffentlichkeitswirksam darstellen. Als viertes Modell werden sogenannte Publikationsfonds vorgestellt. Hier wird ein universitätsweiter Fond eingerichtet, aus dem die Publikationskosten für Open Access-Publikationen erstattet werden. In Deutschland hat sich etwa die Universität Bielefeld für ein solches Modell entschieden. Zusätzlich gibt es natürlich auch noch Mischformen, bei denen mehrere Finanzierungsmöglichkeiten zusammenlaufen (open-access.net, Geschäftsmodelle).
In der BRD ist der Anteil an institutionellen Fonds zur Finanzierung sehr groß. Gerade in Forschungseinrichtungen, die nicht an die Hochschulen angegliedert sind, werden die Publikationsgebühren durch diese Form der Finanzierung bezahlt (Lengenfelder 2011).

4.5. Verbreitung

Aufgrund der starken Monopolstrukturen in den naturwissenschaftlichen Disziplinen und der höheren Technik-Affinität verwundert es nicht, dass gerade dort die Verbreitung von Open Access-Zeitschriften besonders hoch ist.
Insgesamt ist die Anzahl an Open Access Zeitschriften stark steigend. Ein Blick in die „Directory of Open Access Journals“ zeigt, dass gerade Schwellenländer stark im Bereich von Open Access-Zeitschriften vertreten sind. Besonders im letzten Jahr ist es in Brasilien und Indien zu einem sprunghaften Anstieg der Anzahl von Zeitschriften gekommen. Insgesamt sind Open Access-Zeitschriften aus 112 Ländern in dessen Liste eingetragen. Allein aus Deutschland sind 234 Zeitschriften im Verzeichnis verfügbar (Directory of Open Access Journals).
Die von der Europäischen Kommission finanzierte SOAP-Studie hat die Akzeptanz von Open Access in der Wissenschaft untersucht. Hier zeigt sich bei den Forscher_innen in der BRD eine breite Akzeptanz von Open Access. So empfinden fast 90% der Wissenschaftler_innen Open Access als förderlich für ihr Forschungsumfeld. Über 60% der Wissenschaftler_innen geben an, in den letzten Jahren Open Access-Publikationen veröffentlicht zu haben (Lengenfelder 2011).
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) vergibt einen Großteil der Drittmittel in der BRD. Auch die DFG hat es sich zur Aufgabe gemacht, Open Access zu fördern. Sie unterschrieb die Berliner Erklärung und fördert sowohl einzelne Publikationen als auch Open Access-Zeitschriften.

5. Open Access umsetzen oder Urheberrecht ändern?

Die Open Access-Bewegung hat mittlerweile viele Unterstützer_innen und die Verbreitung von Open Access hat, zumindest in wissenschaftlichen Teilgebieten, schon eine kritische Masse überschritten und ist damit tonangebend geworden. Bis dieser Trend sich in alle Disziplinen durchgesetzt hat, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit.
Doch die digitale Kluft zwischen Industrieländern und sogenannten Entwicklungsländern ist damit noch lange nicht überwunden. Gerade medizinische, technische und pharmazeutische Forschung, also solche die am stärksten ökonomischen Zwängen unterliegt, da am teuersten verwertbar, wird über das Patentrecht stark geschützt und die entsprechenden Veröffentlichungen unterliegen keinen freien Lizenzen, sind zumeist nicht einmal für Wissenschaftler_innen zugänglich. Es stellt sich daher die Frage, ob es ausreicht Open Access zu fördern, um eine freie Wissenschaft zu gewährleisten, die auch zu einer globalen Gleichverteilung des Wissens führt.
Verschiedene Gruppen, Interessenverbände und Einzelpersonen haben sich in den vergangenen Jahren mit dem Urheberrecht, gerade im Bezug auf Wissenschaft, auseinandergesetzt. Hierbei sind Forderungen entstanden, die das Urheberrecht für wissenschaftliche Publikationen sehr stark einschränken und reglementieren. Auch gehen einige Initiativen über die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen hinaus und fordern auch eine Veröffentlichung von Forschungsdaten (Allianzinitiative 2010).
Reinhard Kuhlen, Sprecher des Aktionsbündnisses „Bildung und Wissenschaft“, fordert im Hinblick auf eine Novellierung des Urheberrechts in Deutschland eine Neuorientierung des Gesetzes in Richtung einer Priorisierung von Wissenschaft und Bildung. „Alle von öffentlichen Einrichtungen in Bildung und Wissenschaft geschaffenen oder direkt veranlassten Werke sollen gemeinfrei sein. Entsprechend sollen veröffentlichte und durch staatliche Forschungsmittel geförderte Werke in den Bereichen Bildung und Wissenschaft grundsätzlich kostenlos nutzbar sein. “ (Kuhlen 2008, S. 285)
Diese Forderung wird von Seiten der Wissenschaftsinstitute durch Open Access forciert. Das Bekenntnis der Politik und eine Änderung der Urheberrechts blieb bislang allerdings aus. Für Werke aus privaten Forschungsinstituten wird diese Forderung nicht erhoben. Zudem nicht berücksichtigt wird die zunehmende Verflechtung von Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen. Denn nicht alle Forschungsergebnisse werden auch veröffentlicht. Gerade wirtschaftlich relevante und den Auftraggeber_innen nicht genehme Ergebnisse würden so weiterhin nicht öffentlich zugänglich. Gerade das Beispiel Bayer an der Uni Köln zeigt, dass die Freiheit der Wissenschaft durch diese Regelung massiv gefährdet ist. Hier wurde ein geheimer Vertrag zwischen Bayer und der Uniklinik geschlossen und die Bedingungen unter denen geforscht wird, ist vollkommen intransparrent.
Eine weitere Abschwächung des Urheberrechts wäre ein deutliche Absenkung der Schutzdauer des Urheberrechts. Aktuell erlischt das Urheberrecht 70 Jahre nach Tod der Autor_innen (§70 UrhG). Kuhlen (2008, S. 285) „setzt sich […] für eine drastische Reduzierung der Schutzdauer, z. B. auf zehn Jahre, ein, wobei die Schutzdauer nach Antrag und Prüfung erneuert werden kann.“ Richard Stallman, Aktivist für freie Software, fordert sogar eine Verkürzung der Schutzdauer auf fünf Jahre (Heise, 2011).
Hauptargumentation ist hierbei, dass das aktuelle Urheberrecht keinen gerechten Nutzenausgleich zwischen Urheber_innen und Allgemeinheit mehr bietet. Eine Begrenzung der Schutzdauer hätte für aktuelle wissenschaftliche Forschung keine große Relevanz, da der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn zu schnelllebig ist. Für die langfristige Archivierung von Wissen und für die Auffindbarkeit von Publikationen von Wissenschaftler_innen wäre dies allerdings sehr wichtig. Monographien, die ausverkauft sind und von denen eine zweite Auflage für den Verlag sich nicht lohnen würde, sind heute eher die Regel als die Ausnahme. Die Weitergabe des Nutzungsrechts vom Autor zum Verlag, zugestanden durch das Urheberrecht, erlaubt dann auch keine eigenständige Veröffentlichung, sei es digital oder gedruckt, durch die Autor_innen. Das Wissen wird der Gesellschaft vorenthalten und steht auch für Forschung und Lehre nur begrenzt zur Verfügung.
Eine weitere Möglichkeit, die Rechte der Autor_innen zu stärken, wäre ein unabdingbares Zweitverwertungsrecht in das Urheberrecht aufzunehmen. Dies bedeutet, dass die Zweitverwertung durch die Autor_innen nicht durch einen Vertrag verboten werden darf. Hierfür lassen sich unterschiedliche Fristen diskutieren.
Weitergehender wäre demgegenüber die Forderung nach einer Zweitveröffentlichungspflicht in einem Open Access-Repository. Das heißt alle Autor_innen müssen, wenn sie einen Artikel veröffentlichen, ihn auch in der Open Access-Repository ihrer Institution verfügbar machen. Diese Forderung ist nur durch die Geldgeber_innen durchsetzbar. Die DFG etwa erwartet in ihren Richtlinien, „dass die mit ihren Mitteln finanzierten Forschungsergebnisse publiziert und dabei möglichst auch digital veröffentlicht und für den entgeltfreien Zugriff im Internet (Open Access) verfügbar gemacht werden“ (Deutsche Forschungsgesellschaft 2010, Seite 18). Eine einklagbare Pflicht ist dadurch natürlich noch nicht gegeben. Inwieweit dieser Gedanke in den nächsten Jahren ausgebaut wird, bleibt abzuwarten.
Aber nicht nur die Publikation der wissenschaftlichen Ergebnisse steht im Fokus. Auch wissenschaftliche Roh- und Primärdaten, also die Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse, könnten der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen fordert eine verstärkte Vernetzung unter den Forschenden, um wissenschaftliche Primärdaten mehrfach nutzen zu können (Allianzinitiative 2010).
Wissenschaftliche Roh- und Primärdaten bieten auch neue Möglichkeiten, Forschung transparent zu gestalten und nachvollziehbar und damit überprüfbar zu machen.

6. Fazit

Die Antwort der Gesellschaft auf die Digitalisierung von Kunst, Kultur und Wissenschaft ist nicht eine Öffnung hin zu einer kostenlosen Verfügbarkeit dieser Güter für alle, abgedeckt durch pauschale Vergütung, sondern eine immer stärkere Abschottung derselben. Die Antwort auf napster war die Einschränkung der Privatkopie, obwohl das Tauschen und Kopieren von Musik schon immer Bestandteil der Musikkultur war. Die Antwort auf den zunehmenden Erfolg von Online-Portalen von Zeitungen sind kostenpflichtige Bereiche. Der Umgang mit E-journals war eine Verteuerung dieser und damit wiederum eine Verknappung der Ressource Wissen.
Der Open Access-Gedanke, dass Wissenschaft für jede_n frei verfügbar sein muss, hat sich in der wissenschaftlichen Fachwelt relativ gut durchgesetzt. Dies zeigt nicht zuletzt die breite Akzeptanz durch Hochschulrektorenkonferenz, wissenschaftliche Institute und die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Die grundsätzliche gesellschaftliche Tendenz, auf technische Fortschritte vor allem mit Restriktion zu reagieren, setzt sie allerdings nicht außer Kraft.
Zudem stoßen die Protagonist_innen der Bewegung bei der Durchsetzung dieses Gedankens immer wieder an Grenzen durch das Urheberrecht, das sogenannte geistige Eigentum und die kapitalistische Wirtschaftsweise.
Das Urheberrecht, einst entwickelt um Drucker vor der Konkurrenz zu schützen, funktioniert auch heute noch als Vehikel zur Durchsetzung von Verlagsinteressen.
Eine grundlegende Reform des Urheberrechts, wie im Kapitel 5 diskutiert, kann für das öffentliche Wissenschaftssystem Impulse setzen, um auf eine freie Forschung für alle hinzuarbeiten. Die Verkürzung der Schutzdauer oder etwa die Zweitveröffentlichungspflicht unter einer freien Lizenz würde den Machtradius von Verlagen beschränken und den gesellschaftlichen Nutzen von Wissenschaft erhöhen.
Die Produktion von Wissen findet in der Gesellschaft allerdings nicht nur an öffentlichen Hochschulen, sondern speziell im ökonomisch verwertbaren Bereich auch an privaten Forschungseinrichtungen oder in Unternehmen statt. Diese arbeiten gewinnorientiert und haben deshalb ein hohes Interesse an der Verknappung von Wissen. Die breite Verfügbarkeit des Wissens hebt ihre Wettbewerbsvorteile wieder auf. Deshalb wird der Geheimhaltung von Wissen innerhalb von gewinnorientierten Instituten und Unternehmen ein großer Wert beigemessen.
Auf der einen Seite steht also das Bedürfnis der Gesellschaft nach größtmöglichen Wissen, um dieses für die Gesellschaft nutzbar zu machen, auf der anderen Seite steht das der kapitalistischen Logik innewohnende Interesse an der Verknappung von Wissen. Die große Frage, die auch Open Access nicht beantworten kann, ist also, wie eine Gesellschaft mit diesem Widerspruch umgehen kann.

7. Literatur

Allianzinitiative (2010):„Forschungsprimärdaten“, http://bit.ly/7G90B5
Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen (2011): „Frequently asked Questions zu Open Access und Zweitveröffentlichungsrecht (FAQ) “ http://bit.ly/oVBud4
Andermann, Heike; Degkewitz, Andreas (2006): „Zirkulation wissenschaftlicher Information in elektronischen Räumen“ in Hofmann, Jeanette (Hrsg.) „Wissen und Eigentum“, Bonn http://www.bpb.de/files/MJPQ2J.pdf
Bargheer, Margo u.a. (2006); „Open Access und Institutional Repositories – Rechtliche Rahmenbedingungen “ in Gerald Spindler (Hrsg.) „Rechtliche Rahmenbedingungen von Open Access-Publikationen“ http://univerlag.uni-goettingen.de/OA-Leitfaden/oaleitfaden_web.pdf
„Berliner Erklärung“ (2003) http://bit.ly/oV7cqi
Brelle, Jens O. (2011) „Urheberrecht im Wandel der Zeit“ Präsentation eines Vortrags“, http://bit.ly/pzUVUp
Buch-Heeb, Petra (2006): „Stärken und Schwächen des deutschen Urheberrechts in Forschung und Lehre “ in Nikolaus Forgó (Hrsg.) „Urheberrecht in digitalisierter Wissenschaft und Lehre“
„Budapest Open Access Initiative“ (2001) http://www.soros.org/openaccess/g/read.shtml
destatis (2008) „Monetäre hochschulstatistische Kennzahlen“, http://bit.ly/qs6YntDeutsche Forschungsgemeinschaft (2010), Verwendungsrichtlinien http://bit.ly/oj1dHm
Dillenz, Walter (u.a.) (2004): „Urheberrechtsgesetz, Verwertungsgesellschaftengesetz (Österreichisches). Kommentar.“ 2. Auflage. Springer, Wien. GB-Preview: http://bit.ly/oFxEt6
Directory of Open Access Journals http://www.doaj.org/doaj?func=byCountry&uiLanguage=en
Heise (2011): „Richard Stallman fordert umfassende Urheberrechtsreform“, http://bit.ly/jYImnE
Kuhlen, Rainer (2008): „Erfolgreiches Scheitern – eine Götterdämmerung des Urheberrechts? “, Konstanz, http://bit.ly/WU975
Kuhlen, Rainer (2010): „Brauchen Wissenschaftsfreiheit und Urheberrecht wirklich eine Tea-Party-Bewegung?“ Netethics-Blog 5.11.2010, http://bit.ly/cM422i
Lengenfelder, Anja (2011): „Open Acces in der deutschen Wissenschaft – Ergebnisse des EU-Projekts ‚Study of Open Access Publishing‘ (SOAP)“, http://bit.ly/mJ4qvO
Neumann, Jan (2006): „Auf dem Weg zu einem Open-Access-Geschäftsmodell “, in Lutterbeck (Hrsg.) „Open Source Jahrbuch 2006“, http://bit.ly/mV1hY0
Openarchives.org „The Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting“, http://bit.ly/zZXvw
open-access.net „Geschäftsmodelle“, http://bit.ly/oChLYb
Yilzaz, Bülent (1998): „Das Recht auf Information: Ist es für Entwicklungsländer möglich?“ http://archive.ifla.org/IV/ifla64/059-86g.htm
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